Homeoffice

Die unter normalen Umständen empfohlenen arbeitsvertraglichen Mindestregelungen für Homeoffice finden Sie unserem Homeoffice-Merkblatt. Diese Grundsätze gelten weiterhin. Zu beachten ist jedoch folgendes: Die herrschende ausserordentliche Situation ist geprägt vom Notverordnungsrecht des Bundesrats und den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG; Abstand halten in der Öffentlichkeit, Flexibilisierung der Arbeitszeiten und Vermeiden des ÖV). Unter diesem Notrecht liegt unserer Einschätzung nach eine Situation vor, in welcher der Arbeitgeber gestützt auf sein Weisungsrecht einseitig und kurzfristig Homeoffice anordnen kann – und zwar unabhängig davon, ob arbeitsvertraglich überhaupt eine entsprechende Regelung vorgesehen ist. Aufgrund seiner Treuepflicht ist der Arbeitnehmer dazu verpflichtet, die Weisung zu befolgen, soweit ihm dies zumutbar ist. Umgekehrt hat der Arbeitnehmer auch unter den gegebenen Umständen grundsätzlich keinen Anspruch auf Homeoffice.


Die Covid-19-Verordnung 2 sieht in Art. 10c für besonders gefährdete Personen mit bestehender Vorerkrankung folgendes vor: Besonders gefährdete Arbeitnehmer haben ihre arbeitsvertraglichen Pflichten von zu Hause aus zu erledigen. Wenn die Verrichtung der Arbeit nur am üblichen Arbeitsort möglich ist, sind die Arbeitgeber verpflichtet, mit geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen die Einhaltung der Empfehlungen des Bundes betreffend Hygiene und sozialer Distanz sicherzustellen. Können die beiden genannten Vorgehensweisen nicht umgesetzt werden, muss der Arbeitgeber die besonders gefährdeten Arbeitnehmer unter Lohnfortzahlung beurlauben.


Hinsichtlich der Anwendbarkeit des Arbeitsgesetzes und seiner Verordnungen ändert sich aufgrund des Notverordnungsrechts grundsätzlich nichts. Wir empfehlen bei kurzfristiger Anordnung von Homeoffice den Erlass einer schriftlichen Weisung, worin der Arbeitgeber die Arbeitszeiterfassung an den Arbeitnehmer delegiert, und auf die zwingende Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeitvorschriften, Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot sowie den Gesundheitsschutz verwiesen wird. Erhalt und Kenntnisnahme der Weisung sind vom Arbeitnehmer schriftlich zu bestätigen.


Wichtig bleibt die im Merkblatt erwähnte sozialversicherungsrechtliche Unterstellung von Grenzgängerinnen und Grenzgängern mit Wohnsitz im Ausland bzw. die Frage nach der «Wesentlichkeit» im Sinne der 25%-Regel. Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) hat die Schweizer Ausgleichskassen bereits früher dazu angehalten, bei der Beurteilung der sozialversicherungsrechtlichen Unterstellung einen – zumindest aus Schweizer Sicht – sinnvollen Entscheid mit Blick auf die folgenden 12 Monate zu fällen. Aus Unternehmens- wie aus Verwaltungssicht besteht schliesslich kein Interesse daran, alle paar Monate neu die Zuständigkeit entscheiden zu müssen. Man kann also in Fällen wie in der gegenwärtigen Ausnahmesituation eine Art Mischrechnung machen, unbesehen davon, dass während eines oder mehrerer Monate die 25 % (eventuell sogar deutlich) überschritten werden: Bleibt man im Schnitt der nächsten 12 Monate bei unter 25 %, so ist das Kriterium der Wesentlichkeit nicht erfüllt, und es erfolgt folglich keine Unterstellung unter das System des Wohnlandes. Es ist zu hoffen, dass die zuständigen ausländischen Sozialversicherungsträger diese Situationen ebenso beurteilen werden.

 

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Merkblatt «Vertragsgestaltung bei Homeoffice»

 

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Kolumne von Arbeitgeberbasel-Direktorin B. Gutzwiller in der BaZ zum Thema «Homeoffice: Was gilt?»

 

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